Dieter Nusbaum
Dieter Nusbaums Arbeiten bewegen sich zwischen Gegenständlichkeit und freier Bildfindung. In vielschichtigen Kompositionen verbindet er Malerei, Zeichnung und Druckgrafik zu einer eigenständigen Bildsprache, die von Naturbeobachtungen, Erinnerungen und persönlichen Eindrücken geprägt ist. Durch Überlagerungen, Strukturen und experimentelle Materialkombinationen entstehen atmosphärische Bildräume voller Tiefe und Offenheit. Seine Werke entwickeln sich im Prozess — intuitiv, verdichtend und geprägt von der Verbindung von Emotion, Wahrnehmung und malerischer Erfahrung.

Künstlerstatement
Meine Arbeiten bewegen sich zwischen Malerei, Zeichnung und Druckgrafik. Durch Überlagerungen, unterschiedliche Materialien und verschiedene Techniken entstehen vielschichtige Bildräume, die sich zwischen Gegenständlichkeit und freier Form bewegen.
Ausgangspunkt sind häufig Eindrücke aus der Natur, Landschaften, Pflanzenformen oder gefundene Strukturen. Diese Beobachtungen werden im Arbeitsprozess verändert, ergänzt und neu zusammengesetzt. Dabei entstehen Bilder, die weniger eine konkrete Wirklichkeit zeigen als eine persönliche Wahrnehmung davon.
Viele Arbeiten entwickeln sich Schicht für Schicht. Vorhandenes wird überdeckt, wieder freigelegt oder durch neue Eingriffe verändert. Gerade diese Offenheit des Prozesses ist ein wichtiger Teil meiner Arbeit. So entstehen Bildflächen mit Tiefe, Brüchen und unterschiedlichen Ebenen von Erinnerung und Atmosphäre.
Meine Arbeit ist geprägt von der Verbindung von Kunst, Naturbeobachtung und wissenschaftlichem Denken. Die Bildräume entstehen in offenen, experimentellen Prozessen und entwickeln durch Schichtungen, Zeichen, Druckelemente und malerische Eingriffe eine eigene visuelle Ordnung. Dabei interessieren mich Strukturen und Zusammenhänge, die an organische Systeme, wissenschaftliche Bildwelten oder technische Formen erinnern können. Der Austausch im universitären Umfeld — unter anderem im Kontext ingenieurwissenschaftlicher Disziplinen in Aachen — hat diesen interdisziplinären Ansatz zusätzlich beeinflusst. Themen wie Natur, Landschaft, Erinnerung sowie das Verhältnis von Geist und Materie begleiten meine Arbeit seit vielen Jahren und bilden einen zentralen Ausgangspunkt meiner Werkserien.
Ich arbeite ohne vollständig festgelegtes Ergebnis. Vieles entsteht erst während des Malprozesses. Entscheidend ist für mich das Zusammenspiel von Farbe, Struktur, Zeichnung und Material — und die Möglichkeit, daraus Bilder entstehen zu lassen, die offen bleiben und eigene Wahrnehmungen zulassen.
AiD ART M – Art meets Science
Auf der AiD ART M zeigt Dieter Nusbaum Arbeiten aus der Serie Unschärferelation. Diese Werkgruppe entwickelt sich aus den früheren Serien Geist und Materie und Heimat und führt deren Fragestellungen in verdichteter Form weiter.
Ausgangspunkt ist ein erweitertes Verständnis von Malerei, in dem sich malerische, zeichnerische und druckgrafische Verfahren überlagern. Die Arbeiten entstehen in einem prozesshaften Aufbau von Schichten, in denen Bildteile sichtbar bleiben, überdeckt oder wieder aufgelöst werden. Das Bild erscheint dabei nicht als abgeschlossene Einheit, sondern als ein Gefüge von Spuren, Eingriffen und Revisionen.

Der Begriff der Unschärferelation, aus der Quantenphysik entlehnt, ist dabei mehr als ein Titel. Er beschreibt eine strukturelle Eigenschaft der Bilder selbst. Gemeint ist nicht Unschärfe im rein optischen Sinne, sondern eine prinzipielle Unbestimmbarkeit: Form, Raum und Bedeutung lassen sich nicht gleichzeitig eindeutig festlegen. Jede Präzisierung geht mit einem Verlust an anderer Stelle einher.
Diese Spannung prägt die Wahrnehmung der Arbeiten. Formen bleiben in der Schwebe zwischen Figuration und Abstraktion, räumliche Bezüge verschieben sich, Vorder- und Hintergrund sind nicht eindeutig voneinander zu trennen. Das Bild stabilisiert sich nicht zu einer klar lesbaren Ordnung, sondern bleibt in Bewegung.
In diesem Zusammenhang gewinnt auch die Rolle der Betrachtung an Bedeutung. Das, was im Bild sichtbar wird, ist nicht vollständig vorgegeben, sondern entsteht im Vollzug des Sehens. Unterschiedliche Lesarten bleiben möglich, ohne sich endgültig festzuschreiben. Das Bild verhält sich damit weniger wie ein festes Objekt als vielmehr wie ein offenes System, das sich je nach Perspektive und Aufmerksamkeit unterschiedlich artikuliert.
So lässt sich Unschärferelation als eine künstlerische Haltung verstehen, die auf Eindeutigkeit verzichtet zugunsten von Differenz, Überlagerung und Ambiguität. Das Bild wird zu einem Ort, an dem sich Wahrnehmung, Material und Bedeutung in einem fortwährenden Aushandlungsprozess befinden.
Biografisches

Dieter Nusbaum
Born 1972 in Neuerburg | Eifel
1992: High School at Priv. St. Josef Gymnasium Biesdorf
1994 – 1995: Sports and theology studies, Mainz
1996 – 1999: Studied painting at the Institut Supèrieur des Beaux-Arts Saint Luc in Liège / Belgium with Professor Deuse
1996 – 1997: Studies in the Department of Design with Professor Welter
1996 – 1999: Studies in the Department of Gravure and Dessin with Professor Herten
1999: Final exhibition and diploma at the Institut Supèrieur des Beaux-Arts Saint Luc
Since 1999 freelance artist
2002 – 2008: Teacher for Art and Art History at Priv. St. Josef-Gymnasium Biesdorf
2014: Overhead Gallery with Thomas Hoffmann
2019: Overhead Showroom Obersgegen
2020: Overhead Art Salon with Sylvia Bahr and Thomas Hoffmann
