Valentina Jaffé
Meine Arbeit bewegt sich zwischen Malerei, Keramik, Collage, Installation und Performance. Mich interessiert dabei weniger das einzelne Medium als der Zustand, der zwischen Materialien, Oberflächen und Räumen entsteht. Ich verstehe meine Arbeiten als durchlässige Gefüge, in denen sich Farbe, Licht, Körper und Material gegenseitig beeinflussen.

Künstlerstatement
Ausgangspunkt vieler Arbeiten ist die Idee der Überlagerung: Schichten aus Tusche, Gouache, Papier oder Keramik erzeugen Übergänge zwischen Transparenz und Verdichtung, Stabilität und Auflösung. Dabei interessiert mich besonders, wie Materialien Zustände annehmen können, die ihrer ursprünglichen Eigenschaft scheinbar widersprechen – wenn Keramik weich wirkt, Malerei sich wie eine Membran im Raum verhält oder Oberflächen beginnen, körperlich erfahrbar zu werden.
Meine Arbeiten entstehen prozesshaft. Wiederholung, Verschiebung und Abdruck spielen dabei eine zentrale Rolle. Durch serielle Verfahren und das Arbeiten mit langen Papierbahnen entstehen Bildräume, die weniger abgeschlossen als vielmehr in Bewegung begriffen sind. Mich interessiert eine Form von Abstraktion, die nicht distanziert wirkt, sondern sinnlich und körperlich erfahrbar bleibt.
In der Zusammenarbeit mit Vivian Schöchlin erweitert sich diese Untersuchung in den performativen Raum. Dort wird die Beziehung zwischen Werk, Körper und Wahrnehmung unmittelbar sichtbar: Bewegung, Berührung und Material treten in einen offenen Dialog. Die Arbeiten begreifen den Körper nicht als Motiv, sondern als Teil eines räumlichen und materiellen Prozesses.
Ich verstehe Kunst als eine Form des Denkens in Zuständen – als eine Untersuchung von Übergängen, Spannungen und temporären Verbindungen. Dabei geht es nicht darum, feste Bedeutungen zu erzeugen, sondern Wahrnehmung als etwas Bewegliches und Veränderbares erfahrbar zu machen.
AiD ART M 2026

Fotografien aus der Serie was trägt von Valentina Jaffé und Vivian Schöchlin werden außerdem im Rahmen der AiD ART M gezeigt. Innerhalb des Ausstellungskontexts entwickeln die Arbeiten eine ruhige, beinahe meditative Präsenz. Die Fotografien eröffnen einen stillen Zugang zu Fragen von Körper, Material und Berührung und lenken die Aufmerksamkeit auf fragile Zustände zwischen Nähe, Oberfläche und Wahrnehmung.
Aura Reloaded
Valentina Jaffé &
Vivian Schöchlin
Im Rahmen der Ausstellung Aura Reloaded luden Valentina Jaffé und Vivian Schöchlin am 29. März zu einem Künstlerinnengespräch in die Giftbox ein. Im Mittelpunkt stand ihre gemeinsame Arbeit was trägt, eine fotografische und performative Auseinandersetzung mit Körper, Material und Wahrnehmung.


Die Ausstellung Aura Reloaded beschäftigte sich mit Fragen von Präsenz, Materialität und Wahrnehmung im zeitgenössischen Kunstkontext. Die Arbeiten von Jaffé und Schöchlin griffen diese Themen auf, indem sie die Beziehung zwischen Körper und Objekt nicht als feste Gegenüberstellung, sondern als offenen, gegenseitigen Prozess verstanden. In den Fotografien von was trägt verschränkten sich keramische Membranen, Haut und Bewegung zu fragilen Bildsituationen, in denen sich Stabilität und Auflösung, Nähe und Distanz permanent verschoben.
Ausgehend von Jaffés keramischen und malerischen Arbeiten sowie Schöchlins performativer Praxis untersuchte das Projekt Zustände des Tragens, Haltens und Berührens. Der Titel was trägt formulierte dabei bewusst eine offene Frage: Trägt der Körper das Material – oder beginnt das Material den Körper zu formen? Die Serie entwickelte daraus eine poetische Bildsprache, in der Oberfläche, Gewicht und Bewegung unmittelbar körperlich erfahrbar wurden.
Im Gespräch gaben die Künstlerinnen Einblicke in ihre Zusammenarbeit und sprachen über Prozesse zwischen Bildender Kunst und Performance, über Improvisation und Material sowie über ihr gemeinsames Interesse an Übergängen und Zwischenzuständen. Dabei wurde deutlich, wie sich die Arbeiten innerhalb der Ausstellung Aura Reloaded mit Fragen nach Aura, Präsenz und körperlicher Wahrnehmung verbanden.
Die gemeinsame Untersuchung von Körper, Material und Abstraktion wird auch im Katalog Dripping Folds and Melting States beschrieben, insbesondere im Zusammenhang der Zusammenarbeit zwischen Valentina Jaffé und Vivian Schöchlin.
Biografisches
Valentina Jaffé, 1990 geboren in Bad Dürkheim, lebt und arbeitet in Mannheim.
Ausbildung
2011-2016 Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe
bei Nora Schultz und Professor Ernst Caramelle
Preise und Auszeichnungen
2026 Projektförderung der Kulturstiftung Rheinland-Pfalz
2024 Projektförderung des Bürgerfonds Citoyen
2024 Projektförderung der Stadt Mannheim
2023 Katalogförderung der Stadt Mannheim
2022-2026 Atelierförderung der Stadt Mannheim
2022 NEUSTART Kultur-Stipendium
2022 Preisträgerin Junge Kunst in der Villa, KV Neustadt
2021 Projektstipendium des MWK Baden Württemberg
2017 Contemporary Art Price 2017 – Bonn, Straßburg und Novara
Kataloge und Werkübersichten
2026 Dripping Folds and Melting States, hrsg. vom Wilhelm-Hack-Museum, DVC Verlag
2026 Valentina Jaffé & Vivian Schöchlin, was trägt, hrsg. von Ateliers im Delta
2024 Publikation des Pfalzpreises für Bildende Kunst
hrsg. von Bezirksverband Pfalz und MPK Kaiserslautern
2023 Valentina Jaffé – Künstlerinnenkatalog, hrsg. von Valentina Jaffé, Mannheim
2023 Flux4Art – Kunst in Rheinland-Pfalz, hrsg. von BBK Rheinland-Pfalz
2021 Deltabeben, Regionale 2020, hrsg. von Kunsthalle Mannheim, Mannheimer Kunstverein, PORT25, 2021, Verlag Stefanie Kleinsorge
2021 Pfalzpreis für Bildende Kunst, hrsg. von Bezirksverband Pfalz und MPK Kaiserslautern
2021 ZIG ZAG, hrsg. von Kunstverein Bad Dürkheim
2020 Sky Pieces and Riverbeds, hrsg. von Ateliers im Delta
2020 Of blue and other colours, hrsg. von Ateliers im Delta
2020 Publikation des Emy-Roeder-Preises 2020, hrsg. von Kunstverein Ludwigshafen
2018 Non-closure and Open-endedness, hrsg. von Ateliers im Delta
