Bahram Hajou

Künstlerstatement

Die Figuren in meinen Bildern tragen Erfahrungen in sich. Sie wirken verletzlich, manchmal verloren, manchmal widerständig. Oft stehen sie in einem offenen, kaum definierten Raum. Dieser Raum beschreibt keinen konkreten Ort, sondern einen inneren Zustand — eine Atmosphäre zwischen Erinnerung, Gegenwart und emotionaler Unsicherheit.

Ich arbeite intuitiv. Die Malerei entwickelt sich aus dem Prozess heraus. Farbe ist dabei nicht dekorativ, sondern emotional und existenziell. Ein Blau kann Kälte oder Sehnsucht sein, ein Rot Spannung oder Verletzung. Die Linie bleibt suchend. Viele Formen entstehen erst während des Malens und behalten etwas Fragmentarisches, Unvollendetes. Gerade darin liegt für mich Wahrheit.

Meine Bilder erzählen keine Geschichten im klassischen Sinn. Sie öffnen Situationen, in denen sich menschliche Erfahrungen verdichten: Nähe und Entfremdung, Sprachlosigkeit, Begehren, Angst, Erinnerung oder die Schwierigkeit, einander wirklich zu begegnen.

Die Figur bleibt für mich ein Ort des Menschlichen.
Nicht als Symbol von Schönheit oder Identität, sondern als Träger von Empfindung, Präsenz und innerem Leben.

AiD ART M 2026

Die Malerei von Bahram Hajou bewegt sich im Spannungsfeld von Körper, Erinnerung und psychologischer Präsenz. Seine Figuren erscheinen reduziert und zugleich existenziell aufgeladen — als würden sie sich erst im Moment des Betrachtens aus der Leere herauslösen.

Der Mensch steht im Zentrum seiner Arbeit, jedoch nicht als klassisches Porträt oder erzählerische Figur. Hajou interessiert der Zustand des Menschlichen: Verletzlichkeit, Distanz, Sehnsucht, Sprachlosigkeit oder die fragile Nähe zwischen Menschen. Seine Bilder wirken dabei still und intensiv zugleich. Die Figuren begegnen dem Betrachter nicht demonstrativ, sondern mit einer inneren Spannung, die sich jeder eindeutigen Auflösung entzieht.

Die offenen Bildräume verstärken diesen Eindruck.
Der Hintergrund bleibt häufig roh, fragmentarisch oder nahezu leer. Raum entsteht weniger als konkreter Ort denn als psychologische Atmosphäre — als Schwebezustand zwischen Anwesenheit und Verschwinden. Die Körper wirken nicht abgeschlossen; sie bleiben durchlässig, suchend, manchmal beinahe instabil. Form entsteht bei Hajou nicht aus Präzision, sondern aus malerischer Verdichtung.

Farbe übernimmt dabei eine zentrale emotionale Funktion. Kräftige Blau-, Rot- oder Orangetöne erscheinen nicht dekorativ, sondern wie innere Zustände auf der Oberfläche der Leinwand. Sie markieren emotionale Intensität, Isolation oder Spannung und verleihen den Bildern ihre unmittelbare physische Präsenz.

Besonders in den Porträts wird diese Haltung sichtbar.
Das Gesicht wird nicht detailliert beschrieben, sondern freigelegt — als fragile Zone zwischen Innenwelt und äußerer Erscheinung. Der Blick der Figuren bleibt oft ungewiss: suchend, abgewandt oder in sich gekehrt. Gerade diese Zurückhaltung erzeugt eine starke psychologische Nähe.

Kunsthistorisch lassen sich Bezüge zum Expressionismus und zur existenziellen Figuration erkennen. Künstler wie Francis Bacon oder Jean Fautrier bilden mögliche Referenzräume, doch Hajous Malerei entzieht sich jeder Drastik. Seine Arbeiten bleiben leiser, konzentrierter und gerade dadurch eindringlich.

Bahram Hajous Bilder verlangen kein schnelles Lesen.
Sie fordern Aufmerksamkeit, Zeit und ein Innehalten. Sichtbar wird dabei weniger die Figur selbst als das fragile Verhältnis zwischen Körper, Bewusstsein und emotionaler Erfahrung. Seine Malerei zeigt nicht den Menschen als Abbild — sondern das Menschliche als Zustand.

Couple , 2026, Bahram Hajou, MT auf Leinwand, 100x120cm, 44000 €

O.T. 2026, Bahram Hajou, 200x160cm, Mischtechnik auf Leinwand, 72.000,-€

Biografisches

Bahram Hajou wurde 1952 in Deruna im Norden Syriens geboren — einer Region, die kulturell von kurdischen, arabischen und mesopotamischen Einflüssen geprägt ist. Seine frühe Biografie ist eng mit Migration, politischer Erfahrung und dem Leben zwischen unterschiedlichen kulturellen Räumen verbunden. Diese Erfahrung des Dazwischen prägt seine Malerei bis heute. (gallerymisr.art)

1972 begann Hajou zunächst ein Studium des Bauingenieurwesens im irakischen Nauperdan und Sulemanie. Bereits ein Jahr später wechselte er nach Bagdad, um dort Kunst zu studieren. Der politische Kontext der Region und die zunehmenden Konflikte führten jedoch dazu, dass er 1974 über Prag nach Berlin floh.

Ab 1976 lebte Hajou in Deutschland und begann zunächst ein Studium der Archäologie an der Universität Münster. 1977 wechselte er an die Pädagogische Hochschule Münster und studierte Kunst und Sport. Parallel entwickelte sich seine malerische Praxis zunehmend eigenständig. Nach seinem Abschluss 1983 studierte er an der Kunstakademie Düsseldorf beziehungsweise deren Münsteraner Abteilung und wurde Meisterschüler von Professor Norbert Tadeusz — einer prägenden Figur der deutschen Gegenwartsfiguration.

Nach einer kurzen Tätigkeit als Lehrer an der Gesamtschule Ückendorf in Gelsenkirchen entschied sich Hajou Anfang der 1990er Jahre vollständig für die freie Kunst. Seitdem entwickelte er eine eigenständige figurative Bildsprache, die sich konsequent jeder modischen Oberfläche entzieht und stattdessen psychologische und existenzielle Zustände untersucht.

Heute lebt und arbeitet Bahram Hajou in Münster; zugleich führen ihn längere Arbeitsaufenthalte immer wieder nach New York und Paris. Seine Werke wurden international ausgestellt und befinden sich in bedeutenden privaten und institutionellen Sammlungen, darunter die Deutsche Bank Kunstsammlung sowie das Mathaf: Arab Museum of Modern Art in Katar. 2014 erhielt er den Henri-Matisse-Preis des Château Musée Grimaldi in Frankreich.

Ausstellungen

1983 Museum Bochum (Germany)
1984 Kulturzentrum Arnheim (The Netherlands)
1985 Pfarrerzentrum Muenster (Germany)
1986 Schloss Villa Winkel, Ochtrup (Germany)
1986 Design Zander, Emsdetten (Germany)
1987 Museum Bochum (Haus Kemnade) (Germany)
1990 1. Price, Quadrat (Josef Albers-Museum), Bottrop (Germany)
1990 Le Centre Culturel Regional Wallon, Liège (Belgium)
1991 Stadttheater, Muenster (Germany)
1991 Galerie AAI, Wien (Austria)
1992 Kuenstler Haus, Graz (Austria)
1993 World Circuit Arts, Kufa Gallery, London (U.K.)
1993 Galerie Artforum, Wien (Austria)
1993 Galerie Frankenstein, Berlin,(Germany)
1993 Helderse Kunstliga, Den Helder (the Netherlands)
1993 Wohnpark am Tibusplatz, Muenster (Germany)
1994 VHS Muenster (Germany)
1994 Kunsthaus Pinx, Bochum (Germany)
1994 Internationale Kunstausstellung, Budapest (Hungary)
1995 Galerie Artopia, New York (USA)
1996 Kunsthalle der Dominikaner Kirche, Osnabrueck (Germany)
1997 Hessische Landesvertretung, Bonn (Germany)
1997 Stadttheater Brandenburg (Germany)
1997 Arco Budapest (Hungary)
1997 Breitbach Gallery, Unna (Germany)
1998 AKAD art, Stuttgart (Germany)
1998 Art Frankfurt/Main (Germany)
1998 Art Duesseldorf (Germany)
1999 Gy Crété Galerie, Paris (France)
1999 Regierungspraesident, Münster (Germany)
1999 Rathaus, Wiesbaden (Germany)
1999 Galerie Koenig, Muenster (Germany)
1999 Kultur und Skulpturenpark, Katzow (Germany)
1999 Galerie Kunsthaus Pinx, Bochum (Germany)
1999 Kreishaus Gutersloh (Germany)
1999 Zentrum Axept in Koenigslutter (Germany)
2000 Kunst Uta Dingethal, Merklingen (Germany)
2000 Galerie Koenig, Muenster (Germany)
2000 Kunstwerkstatt, Cloppenburg (Germany)
2000 Foyer Rathaus, Wiesbaden (Germany)
2000 Foyer Bezirksregierung Muenster (Germany)
2000 Skulpturenpark Katzow (Germany)
2001 Kunsthalle Ahlen (Germany)
2001 OFD Muenster (Germany)
2001 Neue Galerie im Artforum, Offenburg Germany)
2001 Kunsthalle Offenburg Germany)
2001 Kulturspeicher Oldenburg (Germany)
2002 Staatliches Museum Wien (Austria)
2002 Galerie Kunstfabrik, Duesseldorf (Germany)
2002 Wissenschaftspark Gelsenkirchen (Germany)
2002 BRH Bonn (Germany)
2003 Galerie Blau , Palma d. Mallorca (Spain)
2003 Museum Krakau (Poland)
2003 Kulturspeicher Oldenburg (Germany)
2003 Artfactum Antalya (Turkey) 2004 Stadthalle Kamen (Germany)
2004 Kunstraeume Norbert Bauer, Velbert-Langenberg (Germany)
2004 Kunstmesse Osnabrueck – Impulse (Germany)
2004 Haus der Kamener Stadt Geschichte, Kamen (Germany)
2005 Galerie Kreuziger, Worbswede (Germany)
2005 Galerie Zeugma, Cologne, (Germany)
2005 Atassi Gallery, Dubai (U.A.E.)
2006 Kunsthalle Faust, Hannover (Germany)
2006 Galerie Holbein, Hannover (Germany)
2006 Galerie Carolyn Heinz, Hamburg (Germany)
2006 Galerie Al Hiwar, Riadh (Saudi Arabien)
2006 Kunstkompakt 4, Gladbeck (Germany)
2007 Galerie Zeugma, Cologne (Germany)
2007 Galerie Green Art, Dubai (U.A.E.)
2007 Galerie Michael Nolte, Muenster (Germany)
2007 art club kunstverein, Burgwedel/Isernhagen (Germany)
2008 Hewar Art Gallery – Total Arts Gallery in the courtyard – (Dubai)
2008 Kunstkompakt 5, Gladbeck (Germany)
2008 Galerie Zeugma, Cologne (Germany)
2008 Kunsthandel Antonia v. Fraunberg, Düsseldorf (Germany)
2008 1. Price Meditterane Artbiennale in Trogir, Croatia (Symposion)
2009 Artfestival Amman, Jordan (Symposion)
2009 Artfestival Patra, Greece (Symposion)
2009 Karim Gallery, Amman (Jordan)
2010 Aida Cherfan Fine Art Gallery in (Beirut)
2010 Galerie Kula (Museum Split/Kroatien)
2012 Museum Cotemporary Art (Bratislava) Danubiana
2013 Galerie Ludwig Trossaert (Antwerp – Belgium)
2013 Galerie GNG Gilles Naudine, Paris
2013 White Box Gallery, New York
2014 Art House Wien, Austria
2014 Henry Matisse Price, Château Musée Grimaldi, France
2014 Galerie Ludwig Trossaert (Antwerp – Belgium)
2015 Galerie GNG, Paris, France
2015 Kunsthaus Langenberg e.V. Alldie Kunst (Norbrt Bauer), Langenberg/Düsseldorf (D)
2015 Office Kleine Galerie (Art against violence) Wien/Viena (A)
2015 Art Élysées (Petit Palace, Paris) (F)
2015 Art Fair, Istanbul contemporary, Istanbul (TR)
2016 Foyer des Stadttheters Münster/Germany (D)
2016 Galerie Karsi Sanat´ta, Istanbul (TR)
2016 Galerie Ludwig Trossaert Antwerp (B)
2016 Sollefteå konst förening, (S)
2016 Überkopf Kunstbegegnen, Münster (D)
2016 Palagio Contemporaneo, (I)
2017 Kulturcentrum in Manama – Bahrain
2017 Art Karlsruhe (D)
2017 Karim Gallery, Amman (JORDAN)
2019 Paris Art Fair, Overhead Gallery
2019 Nachtbrötchen 1.0, Düsseldorf, Soloshow, Overhead Gallery
2020 Art Karlsruhe, Soloshow, Overhead Gallery
2020 Nachtbrötchen Drive In, Overhead Gallery, Köln, (G)
2020 Galeria Pryzmat, Krakau (PL)
2020 Nachtbrötchen, Overhead Gallery Rheinterrassen Düsseldorf
2021 Bitburg Art, Stadthalle, Overhead Gallery
2021 Basel Art Week Paperpositions, Overhead Gallery
2021 Basel Art Week VOLTA, Overhead Gallery
2022 Art Karlsruhe, Overhead Gallery H4
2022 Danubiana, Čunovo, Slovakia, Museumsausstellung